Designsprache Runde 2 · Phase 5 · Blatt 2 von 2
Abschnittserläuterung, Designsystem in Anwendung,
Qualitätsprüfung und Selbstkritik
Blatt 1 zeigt den Entwurf. Dieses Blatt begründet ihn. Zu jedem der dreizehn Abschnitte steht hier, welche Aufgabe er erfüllt, an welcher Stelle der Entscheidung er steht, für wen er zuerst gemacht ist, mit welchem gestalterischen Mittel er arbeitet und welche Handlung er auslösen soll.
Richtung: Territorium 1 — „Ein Raster, das genau einmal kippt“ · Veranstaltung: 14. Oktober 2026 · Haus Matthéy, Aachen · 8:30 bis 13:00 Uhr
VorbemerkungWarum nur ein Scribble statt zwei
Die Phase-5-Vorgabe lautet: zwei Landingpage-Scribbles, einer je Designrichtung, damit Gestaltung verglichen werden kann, ohne gleichzeitig zwei inhaltliche Konzepte bewerten zu müssen. Diese Vorgabe erfülle ich hier nicht vollständig, und das soll benannt und nicht überspielt werden.
Abweichung von der Vorgabe. Territorium 2 „Belegfoto und Anschlagtafel“ steht und fällt mit einer eigenen Fotoproduktion. Das steht so im Briefing Sheet 2, im Abschnitt zum Risiko: ohne die Aufnahmen gibt es keinen Rückfallweg. Die Richtung wäre dann nicht eine reduzierte Version ihrer selbst, sondern eine leere Hülle mit Platzhaltergrau. Da ein Shooting nicht mehr realistisch ist, ist Territorium 2 nicht abgewählt worden, sondern entfallen.
Ich halte es für richtig, das als Entscheidung durch Wegfall zu bezeichnen und nicht nachträglich zu einer Präferenz umzudeuten. Territorium 1 gewinnt hier nicht im Vergleich. Es bleibt übrig. Das ist ein Unterschied, der später wichtig wird, wenn jemand im Team fragt, warum es so aussieht, wie es aussieht.
Praktisch heißt das: der Vergleich zweier gestalteter Seiten findet nicht statt. Was stattfindet, ist eine Prüfung einer Richtung gegen die Anforderungen. Genau dafür ist die Qualitätsprüfung weiter unten da, und ich habe sie strenger beantwortet, als ich es getan hätte, wenn eine zweite Seite danebenläge und die Schwächen relativieren würde.
Abschnitt 01 bis 13Erläuterung jedes Abschnitts
Vier Angaben je Abschnitt: Zweck — welche Aufgabe der Abschnitt hat. Journey — an welcher Stelle im Entscheidungsverlauf er steht. ICP — für wen er zuerst geschrieben und gestaltet ist. Mittel — das gestalterische Mittel. Interaktion — was die Besucherin oder der Besucher hier tun soll.
ICP 1 Geschäftsführung und Inhaberschaft · ICP 2 Bereichsverantwortung mit Umsetzungsdruck · ICP 3 Verantwortung für Organisation, Personal oder Digitalisierung
- Zweck
- Orientierung ohne Ablenkung. Der Name steht links und ist kein Logo im klassischen Sinn, sondern der Titel in seiner Fragefassung. Drei Sprungziele, ein Handlungsziel. Mehr nicht.
- Journey
- Vor dem ersten Eindruck. Die Navigation soll nichts verkaufen, sie soll nur zeigen, dass die Seite überschaubar ist.
- ICP
- 1 Die Geschäftsführung scannt zuerst, ob der Aufwand kalkulierbar ist. Eine kurze Navigation signalisiert: die Seite ist in fünf Minuten gelesen.
- Mittel
- Eine einzige Haarlinie unten. Keine Fläche, kein Schatten, kein Hintergrundwechsel beim Scrollen. Der CTA ist hier ausschließlich als Outline gesetzt, weil der Kipppunkt noch nicht passiert ist.
- Interaktion
- In der Regel keine. Wer hier klickt, springt. Wer nicht klickt, scrollt. Beides ist in Ordnung.
- Zweck
- Drei Sekunden. Erkennbarkeit, Thema, Termin, Ort, primäre Handlung. Die Headline steht als Frage, weil die Seite an dieser Stelle noch nichts behauptet hat.
- Journey
- Erster Kontakt. Für einen erheblichen Teil der Besucher der erste Kontakt überhaupt mit der Veranstaltung, weil die Seite weitergeleitet wurde.
- ICP
- 12 Primär die Person, die entscheiden muss, ohne beurteilen zu können. Für sie ist das Fragezeichen kein Marketingtrick, sondern eine zutreffende Beschreibung ihrer Lage.
- Mittel
- Archivo in 82 px, Zeilenhöhe 0,94, das Satzzeichen als echte Glyphe in Headline-Größe. Darunter eine Datenzeile in IBM Plex Mono. Kein Bild, keine Fläche, kein Verlauf. Der Weißraum ist hier Aussage: die Seite hat es nicht nötig, laut zu sein.
- Interaktion
- Primär scrollen. Der CTA ist vorhanden, aber als Outline zurückgenommen. Wer im Hero bucht, hätte ohnehin gebucht.
- Zweck
- Ausgangslage und Entscheidungssituation benennen. Und im selben Atemzug die Abgrenzung vom Tool-Hype leisten, ohne über andere Veranstaltungen zu schimpfen.
- Journey
- Relevanzprüfung. Hier entscheidet sich, ob weitergelesen wird.
- ICP
- 1 Die Geschäftsführung braucht hier den Satz, den sie selbst nicht formuliert hat, aber sofort wiedererkennt.
- Mittel
- Zwei Spalten, ungleich gewichtet. Links eine kurze, große Aussage, rechts der laufende Text. Der Bruch im Spaltenmaß ist das erste Mal, dass das Raster sichtbar arbeitet.
- Interaktion
- Lesen. Bewusst kein Link, kein Ausklapper, kein Weiterlesen-Button. Wer hier klickt, verliert den Gedanken.
- Zweck
- Die Frage „bin ich gemeint“ beantworten, bevor die Frage „was bekomme ich“ gestellt wird. Inklusive klarer Abgrenzung, für wen der Vormittag nicht gemacht ist.
- Journey
- Selbstzuordnung. In der Briefing-Reihenfolge stand dieser Abschnitt auf Position 7. Ich habe ihn nach vorn gezogen.
- ICP
- 123 Der einzige Abschnitt, der alle drei Profile gleichzeitig adressiert, weil er sie voneinander unterscheidet.
- Mittel
- Drei gleich breite Spalten im 12er-Raster, darunter eine abgesetzte vierte Zeile über volle Breite für die Abgrenzung. Die Abgrenzung steht optisch tiefer, nicht kleiner.
- Interaktion
- Wiedererkennen oder aussteigen. Beides ist ein gutes Ergebnis. Eine Veranstaltung mit 60 Plätzen gewinnt nichts durch falsch besetzte Stühle.
Begründung der Abweichung. Rund 120 Menschen werden persönlich eingeladen. Ein erheblicher Teil erreicht die Seite als Weiterleitung, ohne Beziehung zum Team und ohne Vorwissen. Deren erste Frage ist nicht „was bekomme ich“, sondern „bin ich gemeint“. Steht die Antwort erst auf Position 7, ist sie für diese Gruppe zu spät. Wer sich nicht zuordnen kann, liest Nutzenversprechen als Werbung.
- Zweck
- Konkrete Ergebnisdimensionen benennen, ohne zu übertreiben. Die Formulierungen entstehen später und müssen prüfbar bleiben. Was hier nicht steht, ist wichtiger als was steht: keine Zahlenversprechen, keine Effizienzquoten.
- Journey
- Nutzenprüfung. Erst nach der Selbstzuordnung, sonst wirkt sie unglaubwürdig.
- ICP
- 12 ICP 2 muss den Nutzen intern weitererzählen können, um Teilnahme zu begründen. Deshalb sind die Ergebnisdimensionen so formuliert, dass sie in einem Satz zitierbar sind.
- Mittel
- Nummerierte Zeilen mit Monospace-Ziffern in tabellarischer Ausrichtung. Die Zahl ist hier Gestaltungselement erster Ordnung, nicht Dekoration. Vier Zeilen, keine Kacheln, keine Icons.
- Interaktion
- Lesen und innerlich zustimmen. Der zweite CTA steht direkt darunter, weiterhin als Outline.
- Zweck
- Die gemeinsame Geschichte sichtbar machen: vier Beiträge, ein Thema, kein Nebeneinander. Ohne erfundene Vortragstitel.
- Journey
- Inhaltliche Tiefenprüfung. Hier entscheidet sich, ob der Vormittag Substanz hat oder vier lose Programmpunkte.
- ICP
- 23 Die Fachverantwortung liest hier genauer als die Geschäftsführung. Sie erkennt sofort, ob die vier Themen zusammengehören oder zufällig nebeneinanderstehen.
- Mittel
- Vier Blöcke, jeder mit Themenfeld und einer Leitfrage statt eines Titels. Bewusst keine vier optisch identischen Karten: die Blöcke unterscheiden sich in der Höhe, weil die Beiträge sich unterscheiden. Verbindend ist die durchgezogene Linie darüber.
- Interaktion
- Lesen. Später, wenn die Titel stehen, kann jeder Block auf ein Kurzprofil aufklappen. Der Platz dafür ist im Raster vorhanden.
Offen. Petras Thema steht noch nicht. Solange es fehlt, ist dieser Abschnitt in der Struktur vollständig, im Inhalt aber zu einem Viertel unbesetzt. Das ist der Abschnitt, der als erster echten Text braucht, weil er als einziger nicht durch Gestaltung ersetzt werden kann.
- Zweck
- Die eine Stelle, an der aus der Frage eine Aussage wird. Ab hier erscheint die Systemfarbe, ab hier ist der CTA gefüllt statt umrandet. Der Titel wechselt von „KI, echt jetzt?“ zu „KI. Echt jetzt.“
- Journey
- Übergang von Verstehen zu Entscheiden. Alles davor beschreibt eine Lage. Alles danach beschreibt einen Ablauf.
- ICP
- 1 Die Person, die entscheiden muss, soll den Wechsel spüren, ohne ihn erklärt zu bekommen.
- Mittel
- Ein Zustandswechsel, 240 ms, ausgelöst durch das Erreichen der Position — nicht durch eine Zeitschleife, nicht wiederholt. Die Linie geht von 1 px auf 3 px. Das ist der gesamte Effekt.
- Interaktion
- Keine. Der Kipppunkt ist kein Bedienelement.
Bedingung. Der Kipppunkt ist nur zu rechtfertigen, wenn im Programm tatsächlich etwas kippt. Aktuell ist er an die Pause mit Voting geankert: davor Impulse, danach die selbstorganisierten Sessions. Fällt das Voting aus dem Ablauf, verliert der stärkste Gestaltungsmechanismus der Richtung seine inhaltliche Grundlage und wird zur Dekoration. Dann muss er entweder verschoben oder gestrichen werden.
- Zweck
- Den Ablauf zeigen: Impulse, Diskussion, Pause mit Voting, zwei parallele Session-Runden, Ergebnissicherung, Essen und Networking. Und dabei den Barcamp-Teil als wesentlichen Teil kenntlich machen, nicht als Anhängsel.
- Journey
- Machbarkeitsprüfung. „Was passiert da eigentlich mit meiner Zeit.“
- ICP
- 13 Die Geschäftsführung rechnet hier Halbtag gegen Kalender. ICP 3 prüft, ob es Beteiligung gibt oder nur Beschallung.
- Mittel
- Das Signaturelement: die Zeile. 104 px Zeitspalte in Monospace links, Inhalt in Archivo rechts, Haarlinie darüber. Nichts anderes. Diese Zeile ist das wiedererkennbare Markenelement der Richtung und wiederholt sich in Programm, Praxisangaben und Footer.
- Interaktion
- Überfliegen der Zeitspalte. Die Uhrzeiten sind so gesetzt, dass sie allein gelesen werden können.
Bewusst offen gelassen. Ob zweimal drei oder zweimal vier parallele Sessions stattfinden, hängt an der Anmeldezahl. Der Entwurf zeigt die Struktur und nennt die Zahl nicht. Das ist keine Lücke, sondern der korrekte Stand.
- Zweck
- Kompetenz und Persönlichkeit zeigen, das gemeinsame Motiv sichtbar machen, und Platz für die späteren Kurzprofile bereithalten.
- Journey
- Vertrauensprüfung. Für Weiterleitungsempfänger die entscheidende Stelle: sie kennen niemanden im Team.
- ICP
- 1 Entscheider kaufen bei Menschen, nicht bei Formaten. Diese Sektion trägt für die Weiterleitung mehr Gewicht als für die persönlich Eingeladenen.
- Mittel
- Vier Porträts im identischen Ausschnitt 4:5, schwarzweiß, im gleichen Raster. Die Gleichheit des Ausschnitts ist die Aussage: vier Rollen, keine Bühnenhierarchie. Das Wort „Speaker“ kommt auf der Seite nicht vor. Unter jedem Porträt ein Kompetenzfeld in Monospace und Raum für zwei Sätze.
- Interaktion
- Gesichter ansehen. Später: Klick auf ein Kurzprofil.
Produktionsbedarf. Dies ist die einzige Stelle, an der Territorium 1 zwingend Fotografie braucht. Vier Porträts, gleicher Ausschnitt, gleiches Licht, schwarzweiß. Das ist eine Stunde mit Stativ und einer Wand, keine Produktion. Bis dahin funktioniert die Seite mit den grauen Flächen, wirkt aber an dieser Stelle unfertig — und das ist die Stelle, an der Unfertigkeit am meisten kostet.
- Zweck
- Den Ort als Teil des Erlebnisses zeigen, nicht als Anfahrtsblock mit Kartenausschnitt.
- Journey
- Vorstellbarkeit. Wer sich den Vormittag vorstellen kann, meldet sich eher an.
- ICP
- 23 Und alle, die aus dem Umland anreisen und wissen wollen, worauf sie sich einlassen.
- Mittel
- Eine Ankunftsfolge, typografisch gelöst: Ankunft, Eingang, Saal, Anreise — vier Stationen als Zeilen im Signaturelement. Dazu zwei funktionale Bildplätze. Der Ort wird als Adresse behandelt, nicht als Stimmungsbild. Das ist die Konsequenz aus dem Wegfall der Fotoproduktion: was Territorium 2 fotografisch gelöst hätte, löst Territorium 1 typografisch.
- Interaktion
- Adresse merken oder in die Karte klicken.
- Zweck
- Alle harten Angaben an einer Stelle: Datum, Zeiten, Adresse, Format, Platzzahl. Preis nur, wenn final bestätigt.
- Journey
- Letzte Prüfung vor der Anmeldung. Auch die Stelle, die jemand aufruft, der die Seite zum zweiten Mal besucht.
- ICP
- 12 ICP 2 kopiert diesen Block in eine interne Mail.
- Mittel
- Fakten als Gestaltungselement erster Ordnung: Zahlen groß, in Monospace, tabellarisch ausgerichtet. Keine Icons, keine Kacheln.
- Interaktion
- Kopieren, weiterleiten, im Kalender eintragen.
Teilnahmebeitrag bleibt Platzhalter. 150 Euro ist eine Arbeitsannahme, keine Entscheidung. Solange das so ist, steht auf der Seite kein Preis. Eine Zahl im Entwurf wird sonst innerhalb von zwei Wochen zur vermeintlich beschlossenen Zahl. Nach dem 29.07. lässt sich das in einer Minute einsetzen.
- Zweck
- Der klare nächste Schritt. Ohne künstliche Verknappung, ohne Countdown, ohne „nur noch wenige Plätze“.
- Journey
- Handlung.
- ICP
- 123
- Mittel
- Der einzige Ort, an dem die Systemfarbe eine Fläche füllt statt nur eine Linie zu sein. Der Titel steht hier in seiner Aussagefassung. Ein Button, eine Beschriftung, kein zweiter Weg.
- Interaktion
- Klick. Die einzige Interaktion der Seite, die zählt.
Zwei CTA-Zustände, keine zehn Varianten. Vor dem Kipppunkt umrandet, danach gefüllt. Das ist das gesamte CTA-System. Es ist gleichzeitig Gestaltung und Argument: die Seite drängt nicht, bevor sie erklärt hat.
- Zweck
- Die Restzweifel abräumen, die zwischen Interesse und Klick stehen.
- Journey
- Nach der Handlungsaufforderung, weil FAQ vor dem CTA Zweifel sät statt sie zu räumen.
- ICP
- 23
- Mittel
- Nur Fragen, keine Antworten, im Signaturelement gesetzt. Zwölf Zeilen, aufklappbar.
- Interaktion
- Aufklappen.
Warum die Antworten fehlen. Antworten wären an dieser Stelle erfundene Inhalte — zu Stornierung, Verpflegung, Parkplätzen, Rechnungsstellung. Die Fragen zeigen, was beantwortet werden muss. Die Antworten schreibt jemand, der sie kennt.
- Zweck
- Veranstalterinnen, Kontakt, Datenschutz, Impressum. Rechtlich vollständig, gestalterisch ruhig.
- Journey
- Abschluss und Rückversicherung. Wer im Footer nach einem echten Absender sucht, hat einen guten Grund dafür.
- ICP
- 1 Ein vollständiges Impressum ist bei einer kostenpflichtigen Veranstaltung ein Vertrauenssignal.
- Mittel
- Wieder das Signaturelement, jetzt in kleiner Stufe. Der Titel erscheint ein letztes Mal, als Aussage.
- Interaktion
- Kontakt aufnehmen oder Rechtstexte öffnen.
DesignsystemWie die Elemente auf der Seite zusammenspielen
Typografie
Drei Schriften, sechs Rollen, keine Ausnahmen.
| Rolle | Schrift | Einstellung | Wo |
|---|---|---|---|
| Headline | Archivo | wght 700 · wdth 112 · 82 px · 0,94 | Hero, Anmeldung |
| Abschnitt | Archivo | wght 600 · wdth 105 · 32 px | 03 bis 13 |
| Fließtext | Inter | 400 · 19 px · 58 bis 66 Zeichen | überall |
| Label | IBM Plex Mono | 12 px · 0,14 em · Versal | Abschnittsmarken, Datenzeilen |
| Zahl | IBM Plex Mono | 500 · 40 px · tabellarisch | Zeiten, Platzzahl, Nummerierung |
| CTA | Inter | 600 · 17 px | Navigation, 05, 11 |
Die tabellarische Ausrichtung der Ziffern ist kein Detail, sondern die Voraussetzung dafür, dass Zeiten und Zahlen als Raster wirken statt als Text. Ohne sie bricht das Signaturelement optisch zusammen.
Farbe
Drei Prozent ist eine Obergrenze, keine Zielgröße. Die Farbe erscheint nach dem Kipppunkt und nirgends davor. Ihr ganzer Wert liegt darin, dass man sie auf den ersten zwei Bildschirmhöhen nicht gesehen hat. Rot #B3251C ist ausschließlich für Fehlermeldungen im Buchungsvorgang reserviert und kommt auf der Seite selbst nicht vor.
Raster und Abstand
- 12 Spalten, 24 px Rinne, maximale Textbreite 66 Zeichen unabhängig von der Spaltenzahl.
- Abstandsskala 8 / 16 / 24 / 40 / 64 / 104. Andere Werte kommen nicht vor. Wo ein Abstand nicht passt, ist die Hierarchie falsch, nicht die Skala.
- Radius 0. Keine Schatten. Zwei Linienstärken: 1 px als Haarlinie, 3 px als Abschnittsgrenze nach dem Kipppunkt.
- Es gibt kein Muster und keine Textur. Das Raster ist das Muster.
Bildsprache
Der minimale, aber verbindliche Bedarf: vier Porträts 4:5 im identischen Ausschnitt, schwarzweiß, gleiches Licht, gleicher Hintergrund. Eine frontale Aufnahme des leeren Saals. Eine Aufnahme des Eingangs mit Hausnummer. Sechs Bilder. Alle grauen Flächen im Entwurf sind Platzhalter für genau diese Aufnahmen und für nichts sonst. Es gibt keine Stimmungsbilder, keine Menschen vor Bildschirmen, keine Symbolbilder für Technologie.
Signaturelement
Die Zeile: 104 px Monospace-Spalte links, Inhalt in Archivo rechts, 1 px Haarlinie darüber. Sie trägt Programm, Ankunftsfolge, praktische Angaben, FAQ und Footer. Fünf Abschnitte, ein Element. Das ist der Grund, warum die Seite trotz dreizehn Abschnitten nicht in dreizehn Gestaltungen zerfällt.
CTA-System
Zwei Zustände. Vor dem Kipppunkt: Outline, Text schwarz. Nach dem Kipppunkt: Fläche in #0B6B3A, Text weiß. Beschriftung durchgehend gleich. Keine sekundären CTAs, keine Sticky-Leiste auf Mobil, kein Countdown, keine Platzanzeige.
PrüfungDie zwölf Fragen, ehrlich beantwortet
Ist die Idee auch ohne Erklärung visuell erkennbar?Ja
Der Wechsel von Frage zu Aussage und das Auftauchen der Farbe an genau einer Stelle sind ohne Text lesbar. Wer die Seite zweimal scrollt, versteht die Mechanik.
Könnte das Ergebnis ebenso für eine Beratungsfirma, ein Magazin oder ein Retreat verwendet werden?Teilweise
Für ein Retreat nicht — dafür ist es zu hart. Für ein Magazin im Prinzip schon: die typografische Grundhaltung ist redaktionell. Was die Seite davon unterscheidet, ist der Kipppunkt, der als Mechanik an eine Entscheidung gebunden ist und in einem Magazin keinen Sinn ergäbe. Das ist ein schmaler, aber echter Unterschied. Für eine Beratungsfirma wäre die Seite zu wenig geglättet.
Wirkt es wie eine große, professionell geführte Veranstaltung?Ja
Die Größe entsteht aus Maßstab und Konsequenz, nicht aus Menge. Die 82-px-Headline und der leere Raum daneben behaupten Souveränität. Das trägt bei 60 Plätzen, weil nirgends eine Teilnehmerzahl suggeriert wird, die es nicht gibt.
Besitzt es genug Energie, um Lust auf Teilnahme zu machen?Knapp
Das ist die schwächste Stelle. Die Energie der Seite ist kontrolliert, fast kühl. Sie erzeugt Respekt schneller als Vorfreude. Getragen wird die Vorfreude derzeit fast allein von Abschnitt 07, wo der Barcamp-Teil Beteiligung verspricht. Wenn hier nachgeschärft werden muss, dann dort und in den Porträts — nicht durch mehr Farbe.
Ist die Energie gestaltet oder nur durch mehr Elemente erzeugt?Gestaltet
Die Seite hat vier Gestaltungsmittel: Maßstabssprung, Haarlinie, Monospace-Datenzeile, ein Farbereignis. Es gibt keine dekorativen Formen, keine Verläufe, keine zusätzlichen Flächen.
Ist mindestens ein starkes wiedererkennbares Markenelement vorhanden?Ja
Zwei: das Satzzeichen in Headline-Größe und die Zeile mit der 104-px-Zeitspalte. Beide funktionieren isoliert — auf einem Namensschild, in einer Mail-Signatur, auf einer Türbeschilderung im Haus.
Sind beide Richtungen wirklich unterschiedlich?Nicht prüfbar
Es gibt nur noch eine Richtung. Die Frage lässt sich in dieser Phase nicht beantworten und wird hier nicht künstlich beantwortet. Auf Ebene der Briefing Sheets waren die beiden Territorien unterschiedlich; das war in Phase 4 belegt.
Wurde irgendwo ungefragt gegendert?Nein
Keine Sternchen, keine Doppelpunkte, keine Binnenformen. Verwendet werden Teilnehmende, Menschen mit Führungsverantwortung, Geschäftsführung, Unternehmer und Führungskräfte. „Gastgeberinnen“ ist keine Genderform, sondern zutreffend: es sind vier Frauen.
Wurden Inhalte, Zahlen oder Programmdetails erfunden?Nein
Echte Angaben sind ausschließlich: 14. Oktober 2026, 8:30 bis 13:00 Uhr, Haus Matthéy, Theaterstraße 67 Aachen, 60 Plätze, die vier Vornamen, der Titel. Alles andere ist als Funktionsbeschreibung plus Lorem ipsum gesetzt. Kein Preis, keine Session-Zahl, keine Vortragstitel, keine Biografien, keine FAQ-Antworten.
Gibt es dekorative Elemente ohne Funktion?Eine Stelle
Die Ankunftsfolge in Abschnitt 09 ist grenzwertig. Sie erfüllt eine echte Aufgabe — sie ersetzt die weggefallene Ortsfotografie —, aber sie erledigt diese Aufgabe mit einem Mittel, das an dieser Stelle auch als Stilübung gelesen werden kann. Wenn die Aufnahme des Eingangs später existiert, sollte die Folge auf zwei Zeilen gekürzt werden.
Könnte ein menschlicher Designer das Konzept nachvollziehbar weiterentwickeln?Ja
Die Regeln sind endlich und aufgeschrieben: drei Schriften, sechs Rollen, vier Farben mit Anteilen, eine Abstandsskala, zwei Linienstärken, ein Signaturelement, zwei CTA-Zustände. Eine Designerin kann daraus Einladung, Namensschilder, Beschilderung und Folien ableiten, ohne zu raten.
Ist erkennbar, warum genau diese Gestaltung zu „KI. Echt jetzt.“ gehört?Ja
Der Titel ist selbst ein Zustandswechsel von Frage zu Aussage. Die Gestaltung tut nichts anderes: sie hält den Zweifel aus, so lange er berechtigt ist, und wird genau in dem Moment eindeutig, in dem der Vormittag vom Zuhören ins Arbeiten wechselt. Das ist der seltene Fall, in dem Name und Gestaltungsmechanik dieselbe Bewegung machen.
SelbstkritikWas ich an diesem Ergebnis für stark und für schwach halte
Stärkster Aspekt
Die Kopplung von Name, Programm und Gestaltung an einen einzigen Punkt. Der Titelwechsel, die Pause mit Voting und das erste Auftreten der Farbe fallen zusammen. Das ist keine gestalterische Zutat zum Programm, sondern eine Lesart des Programms. Solche Kopplungen entstehen selten und sind schwer zu kopieren.
Schwächster Aspekt
Die Wärme. Die Seite ist geführt, klar und ernst — und sie ist an keiner Stelle einladend im eigentlichen Sinn. Für ICP 1 ist das richtig. Für die Weiterleitungsempfänger, die niemanden aus dem Team kennen, ist es riskant: sie sehen eine sehr disziplinierte Seite und keinen Menschen, der sie haben will. Die vier Porträts müssen diese Lücke schließen. Bis sie existieren, ist die Schwäche real und nicht durch Layout zu beheben.
Größte offene Frage
Petras Thema. Abschnitt 06 behauptet eine gemeinsame Geschichte über vier Perspektiven. Ob die Geschichte trägt, entscheidet sich an der vierten Perspektive, die noch fehlt. Wenn sie sich nicht sauber zu den drei anderen fügt, ist nicht der Abschnitt falsch gestaltet, sondern die Dramaturgie des Vormittags nicht fertig. Das ist eine inhaltliche Frage, keine Designfrage, und sie sollte vor dem Verkaufsstart geklärt sein.
Wo das Ergebnis noch „zu Claude“ wirkt
Die Abschnitte 05 und 10 sind sauber, aber generisch strukturiert: nummerierte Nutzenzeilen, danach ein Faktenblock. So bauen sehr viele Seiten. Die Gestaltung rettet es, die Struktur ist Standard. Wenn es eine Stelle gibt, an der eine menschliche Designerin die Seite deutlich verbessern kann, dann dort — indem sie die Ergebnisdimensionen und die harten Fakten zu einem einzigen Element verschmilzt, statt sie nacheinander zu zeigen. Zweitens: die durchgehende Zurückhaltung ist stellenweise eine Vermeidungsstrategie. Nicht jede leere Fläche in diesem Entwurf ist eine Entscheidung. Ein Teil davon ist die sichere Wahl.
Nächste SchritteWas jetzt ansteht
- Freigabe oder Korrektur des Scribbles. Insbesondere der Reihenfolgewechsel bei Abschnitt 04 und der Verzicht auf Preisangabe und Vortragstitel.
- Sechs Aufnahmen. Vier Porträts im gleichen Ausschnitt, ein leerer Saal, ein Eingang. Eine Stunde, Stativ, eine Wand. Kein Produktionstag.
- Petras Thema. Blockiert Abschnitt 06 und damit die inhaltliche Dramaturgie.
- Teilnahmebeitrag nach dem 29.07. Erst danach steht eine Zahl auf der Seite.
- Bestätigung, dass die Pause mit Voting im Ablauf bleibt. Davon hängt der Kipppunkt ab.
- Danach erst Text. Aus den Funktionsbeschreibungen werden echte Formulierungen. Nicht vorher.