Warum Krisen dazugehören — und was sie über dein Team verraten

Warum Krisen dazugehören — und was sie über dein Team verraten

Lesezeit: 4 Minuten · von Petra Grossmann

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„Seit der Krise funktioniert mein Team nicht mehr."

Das hat mir vor ein paar Wochen ein Bereichsleiter gesagt. Ziemlich erschöpft. Auf einmal Konflikte, Schuldzuweisungen, zwei Leute, die kaum noch miteinander reden.

Ich habe ihm eine Frage gestellt, mit der er nicht gerechnet hatte: „Und vorher — hat es da wirklich funktioniert? Oder war nur gerade kein Anlass, dass es auffällt?"

Es wurde still.

Warum ich dir das erzähle? Weil ich diesen Moment immer wieder erlebe. Eine schwierige wirtschaftliche Phase kommt, und plötzlich scheint alles zu bröckeln — das Team, die Abstimmung, die Entscheidungen. Und fast jede Führungskraft denkt zuerst: Die Krise macht mein Team kaputt.

Ich sehe das anders. Und weil ich Ingenieurin bin, denke ich dabei an Brücken.

Eine Brücke versagt nicht im Sturm

Wenn eine Brücke einstürzt, titeln die Zeitungen: „Sturm zerstört Brücke." Die Statik erzählt eine andere Geschichte. Die Brücke ist genau dort gebrochen, wo sie vorher schon zu schwach war — an der schlechten Schweißnaht, am übersehenen Riss, an der Last, für die nie geplant wurde. Der Sturm hat sie nicht kaputt gemacht. Er hat die Schwachstelle gefunden.

Mit Teams ist es nicht anders.

Eine Krise bringt selten neue Probleme. Sie bringt die alten nach oben — die, die in guten Zeiten leise mitliefen, weil genug Puffer da war, um sie zu überdecken.

  • Die Entscheidung, die nie wirklich getroffen, sondern nur vertagt wurde.
  • Das Vertrauen, das an der Oberfläche freundlich war und in der Tiefe nie belastbar.
  • Die Zuständigkeit, die nie sauber geklärt war und im Normalbetrieb trotzdem irgendwie lief.

Solange alles läuft, trägt das. Wird es eng, zeigt sich die Naht.

Deshalb gehören Krisen dazu

Das klingt erst mal unbequem. Es ist aber eine gute Nachricht.

Denn was jetzt sichtbar wird, wäre ohnehin irgendwann gebrochen — nur vielleicht zu einem Zeitpunkt, an dem noch mehr auf dem Spiel steht. Die Krise zwingt dich hinzusehen, solange du noch handeln kannst.

Kein System, das Last trägt, kommt ohne solche Momente aus. Eine Brücke wird geprüft, bevor man ihr traut. Ein Team im Grunde auch.

Die Frage ist also nicht: „Wie komme ich möglichst unbeschadet durch diese Krise?"
Die bessere Frage ist: „Was zeigt sie mir gerade — und was davon will ich endlich in Ordnung bringen?"

Was du jetzt tun kannst

Behandle die Krise nicht als Störung, die nur vorbeigehen muss. Lies sie wie einen Befund.

Mein Praxistipp für dich

Nimm dir die drei Dinge, die in den letzten Wochen am meisten geknirscht haben. Und frag bei jedem ehrlich: War das vorher wirklich gut — oder war nur kein Druck drauf? Was du in der zweiten Hälfte der Frage findest, ist deine eigentliche Baustelle. Nicht die Krise. Die Naht darunter.

Das ist anstrengender, als auf bessere Zeiten zu warten. Aber es ist das Einzige, das hält, wenn die nächste Last kommt. Und sie kommt.

Worum es wirklich geht

Ein gutes Team wird von einer Krise nicht zerstört. Es wird sichtbar — mit allem, was trägt, und allem, was schon vorher nicht trug.

Deine Aufgabe als Führungskraft ist es, die Stelle zu finden, die der Sturm freigelegt hat, und sie zu schweißen, solange Zeit ist.

Der Bereichsleiter vom Anfang hat übrigens aufgehört, die Krise verantwortlich zu machen. Er hat sich die zwei Leute vorgenommen, die kaum noch miteinander redeten. Heraus kam: Eine Zuständigkeit war seit über einem Jahr unklar. Niemand hatte sie angesprochen, weil es vorher irgendwie lief. Jetzt lief es nicht mehr — und genau deshalb wurde sie endlich geklärt.

Die Krise hat ihm keinen Schaden gebracht. Sie hat ihm die Rechnung präsentiert, die längst offen war.


Eine Krise zwingt dich, ehrlich hinzusehen — und genau die Stellen zu stärken, die sonst erst beim nächsten Sturm auffallen würden. Das ist anstrengend. Aber es ist die Arbeit, die wirklich trägt.

Und falls du jetzt gleich anfangen willst: Du brauchst dafür keinen großen Plan. Nimm die eine Stelle, die bei dir gerade am lautesten knirscht, und schreib in einem Satz auf, was dort schon vor der Krise nicht getragen hat. Mehr nicht. Sobald die Naht einen Namen hat, kannst du sie reparieren.

Wenn du Impulse wie diesen regelmäßig willst — konkret, geerdet, ohne Coaching-Sprech: Einmal die Woche ein Gedanke, der in deinen Führungsalltag passt.

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Herzliche Grüße, Petra

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